Die gesetzliche Krankenversicherung steht vor bedeutenden Sparmaßnahmen, um steigende Beiträge zu verhindern. Gesundheitsministerin Nina Warken hat einen Plan vorgestellt, der Änderungen bei Leistungen vorsieht.
Nach den Plänen von Gesundheitsministerin Nina Warken könnten gesetzlich Versicherte mit höheren Zuzahlungen und einigen Leistungseinschnitten konfrontiert werden, um die Beiträge im kommenden Jahr stabil zu halten. Die CDU-Politikerin hat in Berlin die Kernpunkte eines Sparpakets dargelegt. Dieses Paket beinhaltet auch signifikante Ausgabenbremsen für Leistungserbringer, von Arztpraxen und Kliniken bis hin zu Arzneimittelherstellern. Ein konkreter Gesetzentwurf soll innerhalb der nächsten zwei Wochen dem Kabinett vorgelegt werden.
Warken bezeichnete das Paket als „ausgewogen“ und betonte, dass es alle Beteiligten einbeziehe und die Finanzen der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) nachhaltig stabilisieren werde. Ziel sei es, bis 2027 Einsparungen von fast 20 Milliarden Euro zu erzielen, was über der erwarteten Lücke von 15 Milliarden Euro liegt. „Wir müssen immer mit einem Puffer rechnen, weil wir ja auch sicher den stabilen Beitragssatz erreichen wollen“, erklärte die Ministerin.
Die Vorschläge der Ministerin basieren auf Empfehlungen einer von ihr eingesetzten Expertenkommission, die Ende März ihre Ergebnisse präsentierte. „Wir haben uns jetzt die Werkzeuge ausgesucht, mit denen wir die Großbaustelle GKV-Finanzen angehen wollen“, so Warken, die hinzufügte, dass mehr als drei Viertel der Vorschläge umgesetzt werden sollen. Grundlegend sei die Maxime: „Wir können schlicht nicht mehr Geld ausgeben als wir einnehmen.“ Preise und Vergütungen für Leistungserbringer sollen an die Einnahmenentwicklung gekoppelt und Ausgaben an einen „nachweisbaren Nutzen“ gebunden werden.
Krankenversicherung: Was sich für Versicherte ändern könnte
Die Ministerin betonte, dass ohne diese Reform die finanzielle Belastung für Versicherte und ihre Arbeitgeber „um ein Vielfaches höher ausfallen würde“. Bestehende Härtefallregelungen sollen davon unberührt bleiben. Hier sind die wichtigsten Änderungen:
- Die seit 22 Jahren geltenden Zuzahlungen für verschreibungspflichtige Medikamente (mindestens 5 Euro, maximal 10 Euro) sollen auf 7,50 Euro bzw. 15 Euro angehoben werden.
- Wie von der Kommission empfohlen, sollen homöopathische Leistungen zukünftig nicht mehr von den Krankenkassen übernommen werden. Dies gilt auch für die Vorsorgeuntersuchung auf Hautkrebs, die bisher alle zwei Jahre auch ohne Symptome möglich war.
- Die beitragsfreie Mitversicherung soll nicht abgeschafft, aber „modifiziert“ werden. Kinder, Eltern von Kindern unter sieben Jahren oder mit Behinderung, pflegende Angehörige und Rentner sollen weiterhin beitragsfrei mitversichert bleiben. Für alle anderen bisher beitragsfrei mitversicherten Ehepartner ist ab 2028 ein eigener Beitrag von 3,5 Prozent geplant.
Einschnitte bei Kliniken, Ärzten und Pharma
- Bei Krankenhäusern soll eine Klausel gestrichen werden, die höhere Vergütungssteigerungen ermöglichte. Zudem soll die Einholung einer zweiten ärztlichen Meinung vor bestimmten Eingriffen als Standard eingeführt werden.
- Für Ärzte in Praxen sollen bestimmte Leistungen außerhalb der allgemeinen Honorarbudgets nicht mehr vergütet werden, wie z. B. offene Sprechstunden oder das erstmalige Laden von Behandlungsdaten in elektronische Patientenakten.
- Pharmaunternehmen müssen sich auf verstärkte Rabattverträge für Medikamente einstellen. Weitere Sparregeln sollen bei der Preisbildung von Arzneimitteln greifen. Apotheken sollen einen Rabatt erhöht bekommen, während eine versprochene Erhöhung des Fix-Honorars ausbleiben wird.
- Die Verwaltungsausgaben der Krankenkassen sollen begrenzt und Werbeausgaben halbiert werden. Auch die Vergütungen von Führungskräften der Kassen und kassenärztlichen Vereinigungen sollen gedeckelt werden.
Der Gesetzentwurf soll voraussichtlich am 29. April ins Kabinett eingebracht werden. Ziel ist eine Beschlussfassung im Bundestag noch vor der Sommerpause. Ob steuerliche Erhöhungen im Gesundheitsbereich, wie von der Expertenkommission vorgeschlagen, umgesetzt werden, ist noch offen. Ministerin Warken signalisierte Offenheit für eine Zuckersteuer.
Kritik: „Leistungskürzungen“
Der Sozialverband Deutschland kritisierte die geplante Einschränkung der beitragsfreien Familienversicherung als „fatales Signal“. Die IG Metall warnte vor „Leistungskürzungen, einseitigen Mehrbelastungen oder Beitragsanhebungen für Beschäftigte“.
Der Spitzenverband der gesetzlichen Kassen begrüßte die Reformpläne, bemängelte jedoch, dass die Versorgung von Bürgergeldempfängern weiterhin von den Beitragszahlern und nicht vom Staat finanziert werden soll. CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann kündigte an, dass dies ein Punkt sei, der weiter diskutiert werden müsse.
Warkens Sparplan: Changes Coming for Statutorily Insured Individuals
Statutory health insurance expenditure is set to decrease to prevent further contribution increases. The Health Minister is now presenting what changes are expected in benefits.
Under plans by Health Minister Nina Warken, patients can expect higher co-payments and some benefit cuts to avoid increased health insurance contributions next year. The CDU politician presented key points for a savings package in Berlin, which also includes billion-euro spending brakes for healthcare providers, from practices and clinics to pharmaceutical manufacturers. The black-red coalition intends to bring a concrete draft law to the cabinet in just over two weeks.
Warken spoke of a “balanced package” that involves everyone and can sustainably stabilize the finances of statutory health insurance (GKV). In total, it is intended to achieve a savings volume of almost 20 billion euros by 2027 – more than the expected deficit of 15 billion euros. “We must always plan with a buffer, because we certainly want to achieve a stable contribution rate,” the minister explained.
Warken drew on recommendations presented by an expert commission she appointed at the end of March for her proposals. “We have now chosen the tools with which we want to tackle the major construction site of GKV finances.” These comprise more than three-quarters of the suggestions. Generally, the principle applies: “We simply cannot spend more money than we earn.” Prices and reimbursements for healthcare providers are to be linked to revenue development. And: expenditures must have “demonstrable benefit.”
Health Insurance: What Could Change for Insured Individuals
The minister emphasized that without the reform, the burden on insured individuals and their employers “would be many times higher than with the reform.” Existing hardship regulations will remain untouched. An overview:
- The co-payments, which have been in place for 22 years and are at least 5 euros and at most 10 euros when collecting a prescribed medication at the pharmacy, are to be increased – to 7.50 euros and 15 euros.
- As recommended by the commission, homeopathic treatments will no longer be covered by statutory health insurance. This will also apply to the skin cancer screening, which was previously possible every two years even without symptoms.
- The contribution-free co-insurance will not be abolished but “modified” – somewhat milder than recommended by the experts. Accordingly, children, parents of children under seven years of age or with disabilities, nursing relatives, and people of retirement age will continue to be co-insured free of charge. For all other spouses previously co-insured free of charge, Warken plans a personal contribution of 3.5 percent. This will then apply from 2028.
Cuts for Clinics, Doctors, and Pharmaceuticals
- For clinics, a clause that allowed higher reimbursement increases is to be permanently deleted, among other things. The introduction of a mandatory second medical opinion before certain procedures is planned.
- For doctors in practices, payment outside of general fee budgets is to be eliminated for certain services – for example, for open consultation hours or the initial loading of treatment data into new electronic patient records.
- Pharmaceutical manufacturers must prepare for increased use of cheaper discount contracts for medications. Further savings rules are to be introduced in the pricing of medicines. For pharmacies, a discount is to be increased, but a promised increase in the fixed fee will not occur.
- According to Warken’s plans, administrative expenses of health insurance funds will be limited, and advertising expenditure will be halved. Remuneration of executives of the funds and also of the statutory health insurance physicians’ associations will be limited.
The draft law is intended by the coalition leadership to be submitted to the cabinet on April 29th. The aim is then to pass a resolution in the Bundestag before the summer recess. Whether there will be supplementary increases in health-related taxes, as recommended by the expert commission, remains open. Warken said she was “very much in favor” of addressing the issue of sugar tax in addition to alcohol and tobacco. This will be discussed within the government.
Criticism: “Benefit Cuts”
The German Social Association criticized the “erosion of contribution-free family insurance” as a “fatal signal.” The IG Metall trade union warned of “benefit cuts, one-sided additional burdens, or contribution increases for employees.”
The umbrella organization of statutory health insurance funds welcomed the reform announcements but complained that the care of recipients of citizen’s benefit (Bürgergeld) would likely continue to be paid for by premium payers rather than the state. CSU parliamentary group leader Alexander Hoffmann, however, made it clear that this is a point that still needs to be discussed.
