Die Bundesregierung prüft die Abschaffung der kostenlosen Mitversicherung von Ehepartnern in der Pflege- und Krankenversicherung. Dieser Schritt wird als längst überfällig und dringend notwendig erachtet.
Berichten zufolge erwägt die Regierung eine grundlegende Reform der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung, die erhebliche finanzielle Mehrbelastungen für Familien mit sich bringen könnte. Für mitversicherte Ehepartner könnte zukünftig ein monatlicher Mindestbeitrag von rund 225 Euro anfallen – etwa 200 Euro für die Kranken- und 25 Euro für die Pflegeversicherung. Ausnahmen sind für Personen mit Kindern unter sechs Jahren oder pflegebedürftigen Angehörigen vorgesehen. Obwohl eine endgültige Entscheidung noch aussteht und eine Expertenkommission Vorschläge zur Beitragsstabilisierung erarbeiten soll, wird dieser Vorschlag angesichts leerer Sozialkassen als notwendig und gerecht empfunden. Die kostenlose Mitversicherung sei ein “Luxus”, den sich das System nicht mehr leisten kann und der zudem als ungerecht gilt.
Grundsätzlich ist die beitragsfreie Familienversicherung eine wertvolle Einrichtung, die Ehepartner ohne eigenes Einkommen absichert. Besonders in traditionellen Familienmodellen, bei Teilzeitbeschäftigung oder unbezahlter Care-Arbeit, würde die Einführung von Beiträgen viele Haushalte spürbar treffen. Ein monatlicher Betrag von 225 Euro ist eine erhebliche Summe und könnte Fehlanreize schaffen, wenn Geringverdiener durch zusätzliche Beiträge finanziell schlechter gestellt wären.
Krankenversicherungen nur durch Beitragserhöhungen finanzierbar
Doch die Nachhaltigkeit der Leistungen steht auf dem Spiel, wenn deren Finanzierung nicht gesichert ist. Die Realität der Sozialkassen ist ernüchternd. Die Pflegeversicherung konnte zuletzt nur durch ein Bundesdarlehen von 500 Millionen Euro eine schwarze Null erreichen. Für das laufende Jahr wird trotz weiterer 3,2 Milliarden Euro an Bundesmitteln ein Defizit von rund 2,8 Milliarden Euro erwartet, und für 2027 droht ein weiteres Minus von knapp fünf Milliarden Euro. Auch die gesetzlichen Krankenkassen kämpfen mit strukturellen Defiziten, da die Ausgaben aufgrund der alternden Bevölkerung schneller wachsen als die Einnahmen. Ohne regelmäßige Beitragserhöhungen wäre das System möglicherweise bereits kollabiert.
In dieser angespannten Lage erscheint es zunehmend schwierig zu vermitteln, dass Millionen Erwachsene weiterhin vollständig beitragsfrei mitversichert sind. Kein Unternehmen, das um sein wirtschaftliches Überleben kämpft, würde Leistungen für Kunden erbringen, die dafür nicht bezahlen. Das Prinzip, Kosten und Finanzierung in Einklang zu bringen, muss auch für die Sozialversicherungen gelten. Hinzu kommt ein Gerechtigkeitsproblem: Während Millionen Erwerbstätige monatlich Beiträge entrichten, profitieren andere von einer umfassenden Absicherung ohne eigenen Beitrag. Dies steht im Widerspruch zu einer sich wandelnden Arbeitswelt mit vielfältigeren Erwerbsbiografien. Der Vorschlag zielt somit nicht nur auf eine Entlastung der Kassen ab, sondern fördert auch ein höheres Maß an Eigenverantwortung.
Opinion: Free Spouse Co-Insurance – A Luxury We Can No Longer Afford
The German government is considering abolishing the free co-insurance of spouses in long-term care and health insurance. This move is seen as long overdue and urgently necessary.
According to reports, the government is contemplating a fundamental reform of statutory health and long-term care insurance, which could lead to significant financial burdens for families. For co-insured spouses, a minimum monthly contribution of around 225 euros might be required in the future – approximately 200 euros for health insurance and 25 euros for long-term care insurance. Exceptions are planned for individuals with children under six years old or dependent relatives requiring care. Although a final decision is pending and an expert commission is tasked with developing proposals for contribution stabilization, this suggestion is considered necessary and just in light of depleted social security funds. Free co-insurance is deemed a “luxury” that the system can no longer afford and is also regarded as unfair.
Fundamentally, free family insurance is a valuable institution that secures spouses without their own income. Especially in traditional family models, for part-time employment, or unpaid care work, the introduction of contributions would significantly impact many households. A monthly amount of 225 euros is a substantial sum and could create disincentives if low-income earners were financially worse off due to additional contributions.
Health Insurances Only Financable Through Contribution Increases
However, the sustainability of benefits is at stake if their financing is not secured. The reality of social security funds is sobering. Long-term care insurance recently only achieved a balanced budget thanks to a federal loan of 500 million euros. For the current year, despite an additional 3.2 billion euros in federal funds, a deficit of approximately 2.8 billion euros is expected, and for 2027, another shortfall of nearly five billion euros looms. Statutory health insurance funds also struggle with structural deficits, as expenditures grow faster than revenues due to an aging population. Without regular contribution increases, the system might have already collapsed.
In this strained situation, it becomes increasingly difficult to justify that millions of adults continue to be fully insured without contributing. No company fighting for its economic survival would provide services to customers who do not pay for them. The principle of balancing costs and financing must also apply to social security. Furthermore, there is an issue of fairness: while millions of working individuals pay monthly contributions, others benefit from comprehensive coverage without contributing themselves. This contradicts an evolving world of work with more diverse career paths. The proposal thus aims not only to relieve the burden on the funds but also to promote a greater degree of personal responsibility.
